Jens Leon Tiedemann ist ein in Berlin tätiger Diplom-Psychologe, psychologischer Psychotherapeut und Psychoanalytiker. Der 1967 geborene Fachautor veröffentlicht meist unter dem Namen Jens L. Tiedemann; sein vollständiger Vorname wird auch als Jens León Tiedemann geschrieben. Im Zentrum seiner Arbeit stehen Scham, Affektregulierung, Trauma, Dissoziation und die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen in der Psychotherapie. Einem breiteren Publikum ist er zudem als Ehemann der Schauspielerin Alexa Maria Surholt bekannt. Sein eigenständiges fachliches Profil prägen jedoch vor allem seine Bücher und seine langjährige therapeutische und lehrende Tätigkeit.
Kurzprofil
| Merkmal | Angaben |
|---|---|
| Vollständiger Name | Dr. phil. Jens León Tiedemann |
| Veröffentlichungsname | Jens L. Tiedemann |
| Geburtsjahr | 1967 |
| Beruf | Psychologischer Psychotherapeut, Psychoanalytiker und Körperpsychotherapeut |
| Akademischer Abschluss | Diplom-Psychologe, Promotion in klinischer Psychologie |
| Arbeitsort | Berlin-Kreuzberg |
| Fachgebiete | Scham, Trauma, Dissoziation, Affektregulierung, Körper und Psychoanalyse |
| Weitere Tätigkeiten | Supervisor, Lehranalytiker und Dozent |
| Ehefrau | Schauspielerin Alexa Maria Surholt |
| Bekannte Bücher | Die Scham, das Selbst und der Andere, Scham, Enactment |
Die beruflichen Angaben werden unter anderem durch das aktuelle Autorenprofil des Psychosozial-Verlags und die Akademie für integrative Traumatherapie dokumentiert.
Wer ist Jens Leon Tiedemann?
Jens Leon Tiedemann gehört zu den deutschen Psychotherapeuten, die klinische Arbeit mit psychoanalytischer Theorie und fachlicher Lehre verbinden. Er arbeitet nicht als Schauspieler oder Medienpersönlichkeit. Diese Verwechslung entsteht gelegentlich, weil seine Ehefrau Alexa Maria Surholt seit vielen Jahren als Sarah Marquardt in der ARD-Serie In aller Freundschaft zu sehen ist.
Tiedemanns eigene Bekanntheit beruht auf seiner Beschäftigung mit psychischen Vorgängen, die häufig schwer in Worte zu fassen sind. Besonders intensiv untersucht er die Scham: ein Gefühl, das den Selbstwert, persönliche Beziehungen und den Verlauf einer Psychotherapie beeinflussen kann.
Neben der Behandlung von Patienten ist er als Supervisor, Lehranalytiker und Dozent an psychoanalytischen und psychotherapeutischen Ausbildungsinstituten tätig. Er vermittelt damit nicht nur theoretisches Wissen, sondern begleitet auch angehende und praktizierende Therapeuten bei der Reflexion ihrer klinischen Arbeit.
Ausbildung und beruflicher Weg
Tiedemann studierte Psychologie an der Freien Universität Berlin und promovierte in klinischer Psychologie. Seine Dissertation trägt den Titel Die intersubjektive Natur der Scham. Die Arbeit ist im wissenschaftlichen Repositorium der Freien Universität unter seinem vollständigen Namen Jens León Tiedemann verzeichnet. Das FU-Archiv nennt 2007 als Erscheinungsjahr; fachliche Kurzviten führen die abgeschlossene Dissertation bereits für 2006 auf.
Nach dem Studium arbeitete Tiedemann mehrere Jahre in Suchtkliniken. Hinzu kamen körperpsychotherapeutische Weiterbildungen sowie eine Ausbildung in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie. Nach seiner Approbation erwarb er zusätzlich die Fachkunde in analytischer Psychotherapie.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist er in eigener Praxis in Berlin-Kreuzberg niedergelassen. Seine Qualifikationen erlauben ihm, psychische Konflikte sowohl aus klassisch psychoanalytischer als auch aus relationaler und körperorientierter Perspektive zu betrachten.
Verbindung von Psychoanalyse und Körperpsychotherapie
Ein charakteristisches Element seiner Arbeit ist die Einbeziehung körperlicher Reaktionen. Scham zeigt sich schließlich nicht nur in Gedanken. Sie kann mit gesenktem Blick, Erstarren, Rückzug, Erröten oder dem Wunsch einhergehen, sich zu verbergen.
Tiedemanns körperpsychotherapeutischer Hintergrund ergänzt deshalb seine psychoanalytische Beschäftigung mit unbewussten Konflikten. Dabei geht es nicht um eine einzelne Technik, sondern um die Frage, wie Gefühle gleichzeitig im Körper, im Selbstbild und in der Beziehung zu anderen Menschen erscheinen.
Scham als zentrales Forschungsthema
In Tiedemanns Arbeiten wird Scham nicht ausschließlich als innerer Konflikt verstanden. Er betont ihre intersubjektive Dimension: Scham entsteht und verändert sich in Beziehungen. Ein abwertender Blick, fehlende Anerkennung oder eine demütigende Erfahrung können das Selbstgefühl eines Menschen nachhaltig prägen.
Für die Psychotherapie ist dieser Ansatz besonders relevant. Patienten können sich beispielsweise für ihre Bedürfnisse, ihre Vergangenheit oder sogar für die Tatsache schämen, Hilfe zu benötigen. Das Gefühl wird dann nicht immer offen angesprochen. Es kann sich als Schweigen, Rückzug, Abwehr oder abrupter Therapieabbruch zeigen.
Auch der Therapeut bleibt nach Tiedemanns Verständnis nicht außerhalb dieses Geschehens. Reaktionen beider Beteiligten können Teil der therapeutischen Beziehung werden. Aufmerksamkeit, Taktgefühl und die Fähigkeit zur Selbstreflexion sind daher wesentliche Bestandteile der Behandlung von Schamkonflikten.
Sein umfangreiches Buch Die Scham, das Selbst und der Andere untersucht unter anderem die Entwicklung und Abwehr von Scham, ihre Verbindung zu narzisstischer und traumatischer Verletzlichkeit sowie ihre Bedeutung in Übertragung und Gegenübertragung. Der Psychosozial-Verlag veröffentlichte das 573 Seiten starke Werk 2010.
Bücher und wichtige Veröffentlichungen
| Jahr | Veröffentlichung | Inhalt |
|---|---|---|
| 2006/2007 | Die intersubjektive Natur der Scham | Dissertation über Scham als Beziehungsgeschehen |
| 2010 | Die Scham, das Selbst und der Andere | Ausführliche Darstellung der Psychodynamik und Therapie von Schamkonflikten |
| 2013 | Scham | Kompakte Einführung in psychoanalytische Schamkonzepte und ihre klinische Anwendung |
| 2021 | Dissoziative Scham als Folge von Traumatisierungen | Fachbeitrag über die Verbindung von Trauma, Dissoziation und Scham |
| 2025 | Enactment | Untersuchung unbewusst wiederholter Beziehungsmuster in der Psychotherapie |
Das 2013 erschienene Buch Scham richtet sich nicht nur an Psychoanalytiker. Es erklärt auf 141 Seiten, wie Schamaffekte erkannt und in der therapeutischen Praxis bearbeitet werden können. Thematisiert werden unter anderem Schamindikatoren, Selbstverurteilung, biografische Schamszenen und Selbstakzeptanz. Eine ausführliche Inhaltsübersicht bietet die Verlagsseite zu Scham.
Mit Enactment erweiterte Tiedemann 2025 seinen thematischen Schwerpunkt. Der Begriff bezeichnet Situationen, in denen frühere emotionale und zwischenmenschliche Muster innerhalb der therapeutischen Beziehung erneut inszeniert werden. Patient und Therapeut können dabei unbewusst Rollen übernehmen, die an frühere Beziehungserfahrungen anknüpfen. Das 156-seitige Fachbuch verbindet theoretische Erläuterungen mit klinischen Fallbeispielen.
In der Gesamtschau lässt sich eine klare Entwicklung erkennen: Tiedemanns Arbeiten beginnen bei der Scham als Beziehungserfahrung und führen weiter zu der Frage, wie alte Beziehungsmuster unmittelbar zwischen Patient und Therapeut wirksam werden.
Ehe mit Alexa Maria Surholt
Jens Leon Tiedemann ist mit der Schauspielerin Alexa Maria Surholt verheiratet. Surholt wurde vor allem durch ihre langjährige Rolle als Verwaltungsdirektorin Sarah Marquardt in In aller Freundschaft bekannt.
Das Paar heiratete 2016, nachdem es zuvor 28 Jahre zusammengelebt hatte. Tiedemann und Surholt haben einen gemeinsamen Sohn namens Arthur, der 2001 geboren wurde. Beide traten gelegentlich gemeinsam bei öffentlichen Veranstaltungen auf. Die Eckdaten zur Familie werden unter anderem in Porträts von TV Movie und WEB.DE genannt.
Häufige Fragen zu Jens Leon Tiedemann
Ist Jens Leon Tiedemann Schauspieler?
Nein. Er ist Diplom-Psychologe, psychologischer Psychotherapeut, Psychoanalytiker und Fachautor. Seine Verbindung zur Schauspielbranche besteht durch seine Ehe mit Alexa Maria Surholt.
Wofür ist Jens L. Tiedemann fachlich bekannt?
Sein wichtigstes Forschungs- und Arbeitsgebiet ist die Scham. Weitere Schwerpunkte sind Affektregulierung, Trauma, Dissoziation, Körperpsychotherapie und relationale Psychoanalyse.
Wo arbeitet Jens Leon Tiedemann?
Er ist seit mehr als 20 Jahren in einer eigenen psychotherapeutischen Praxis in Berlin-Kreuzberg tätig.
Welche Bücher hat Jens Leon Tiedemann geschrieben?
Zu seinen zentralen Büchern gehören Die Scham, das Selbst und der Andere von 2010, Scham von 2013 und Enactment von 2025.
Wer ist die Ehefrau von Jens Leon Tiedemann?
Seine Ehefrau ist die deutsche Schauspielerin Alexa Maria Surholt. Das Paar heiratete 2016 und hat einen erwachsenen Sohn.
Was bedeutet Enactment in der Psychotherapie?
Enactment bezeichnet das unbewusste Wiederholen früherer emotionaler Beziehungsmuster innerhalb der therapeutischen Beziehung. Dabei können sowohl der Patient als auch der Therapeut in eine unbeabsichtigte Inszenierung einbezogen werden.
Fazit
Jens Leon Tiedemann ist ein Berliner Psychotherapeut und Autor mit einem klar umrissenen fachlichen Profil. Seine Arbeiten machen Scham als persönliches, körperliches und zwischenmenschliches Geschehen verständlich. Durch Bücher, Fachbeiträge, Seminare und seine Tätigkeit als Lehranalytiker verbindet er psychoanalytische Theorie mit konkreter klinischer Praxis. Seine Ehe mit Alexa Maria Surholt erklärt seine Erwähnung in der Unterhaltungspresse, bildet aber nur einen kleinen Teil seiner öffentlichen Biografie.
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